Kerwa

Der Tag der Tage ist und bleibt der Kerwamontag. Vor dem Frühschoppen treffen sich alle aktiven Cones im Clublokal, wo Bär und Treiber unter denjenigen ausgelost wird, die noch nicht das „rußige Vergnügen“ hatten. Jeder Aktive kann nur ein einziges mal in seiner „Coneslaufbahn“ Bär oder Treiber sein. In früheren Jahren konnten sich die „schwarzen Gesellen“ auch freiwillig melden, waren keine freiwilligen zur Hand, griff man auf clubfremde Personen zurück.

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Ist das Gespann ermittelt, beginnt der offizielle Kirchweihfrühschoppen zu den Klängen von „Gruß an Kiel“. Nach dem Auftritt im Clublokal wird in die anderen noch geöffneten Kneipen Markt Erlbachs gezogen. In einer dieser Kneipen ist dann ein Hackfleischessen vorgesehen, zu dem Ehrencones, Gemeinderäte und Gönner des JCEW's eingeladen sind.

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Auf das um 17.00 Uhr beginnende Bärentreiben wird sich mit Bier aus dem „Kerwahofen“ und deftigen Kerwaliedli eingestimmt. Der Ausdruck „Kerwahofen“ muß in diesem Zusammenhang näher beschrieben werden: Dieser Nachttopf ist eine Sonderanfertigung aus feinstem Porzellan. Er ist mit Bier gefüllt, in welchem 2 Bratwürste schwimmen und der Rand mit Senf beschmiert ist. Wird jemandem der „Hofen“ zum Trinken gereicht, muß dieser ihn mit einer Hand erfassen und mit der anderen eine Bratwurst herausfischen, ein Stück abbeißen und wirft den Rest wieder ins Bier zurück. Danach dreht er den Topf so, das er beim Trinken etwas Senf erwischt.

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Da Markt Erlbach derzeit nur noch vier „kerwataugliche Gasthäuer“ besitzt (früher waren es 13!!!), werden die enzelnen Boxenstopps ziemlich ausgedehnt.

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Gegen 16.00 Uhr begibt sich die ganze Conesschar, auf einem Bein hüpfend zu den Klängen der Blaskapelle zum Anwesen Schwarz (nähe Marktplatz), wo Bär und Treiber eingerußt werden. Der Bär ist nur mit einer Turnhose, Schuhen und einem mit der Zeit schwarz gewordenen Schaffell bekleidet. Über dem Fell hat er außerdem eine Kette und einen Maulkorb ( früher gehörte zu diesem Fundus noch ein Bärenkopf) Der Treiber trägt ebenfalls Turnhose und Schuhe. Er hat aber zusätzlich einen Bastring um den Bauch geschlungen und einen Strohhut auf dem Kopf. Pünktlich um 17.00 Uhr werden Bär und Treiber am Marktplatz losgelassen.

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Hier wartet ein großer Teil der Bevölkerung, vor allem junge Leute und Kinder. Erst jetzt wird das Geheimnis gelüftet, wer diesmal die schwarzen Gesellen sind. Die Dorfjugend gruppiert sich in Reihen und zieht hinter der Blaskapelle durch die Straßen und Gassen von Markt Erlbach.

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Der Bär und Treiber jagen gemeinsam durch die schwankenden und schunkelnden Reihen oder machen Abstecher zu den Schaulustigen am Straßenrand. Hier wird jeder, den sie erwischen, „eingerußt “, d.h. er bekommt eine schwarze Markierung ins Gesicht. Kaum einer entkommt ihnen. Bär oder Treiber sondern sich auch manchmal vom Zug ab und versuchen durch Hintereingänge, über Balkone und Fenster zu den Schaulustigen zu kommen, die sich in ihren Häusern verstecken. Dabei nehmen die schwarzen Männer kaum Rücksicht auf Verluste. Auch mancher durchfahrende Autofahrer, der nicht schnell genug sein Fenster schließen konnte, hatte plötzlich eine schwarze Zierde im Gesicht.

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Der Zug zieht zu den verschiedenen Gaststätten des Dorfes und macht dort halt. Für den Bären und seinen Meister gibt es hier die Gelegenheit nachzurußen, zu verschnaufen und etwas zu trinken. Währenddessen gehen einige Cones mit zwei Kerwahöfen im Zug herum und Kredenzen durstigen Kehlen das erfrischende Naß. Wobei es beim Trinken darauf ankommt den „Hofen“ nur mit einer Hand zu halten, da ansonsten eine kleine Spende fällig ist.

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Die Cones haben noch ein weiteres Privileg: Sie dürfen Krawatten der Schaulustigen, wenn sie nach Aufforderung nicht abgenommen werden, abschneiden. Die abgeschnittene Krawatte wird an einen Reisigbesen gebunden, mit dem der Kerwaumzug angeführt wird.

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Das Ende des Bärentreibens ist der Bärentanz am Marktplatz. Bär und Treiber umarmen sich und tanzen, leicht angetrunken, einen Walzer. In früheren Jahren suchte sich der Bär unter den Zuschauerinnen eine Tanzpartnerin aus, mit der er am Abend, den von den Cones veranstalteten „Kerwatanz“ eröffnete.

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Wo der Brauch des Bärentreibens herkommt und wann er aufkam, weiß man heute nicht mehr so genau. Sicher ist allerdings, daß bereits vor dem 1. Weltkrieg jedes Jahr am Kirchweihmontag ein Treiber mit seinem Bär und einem Tambourin in die Gemeinde kam und allerlei Schabernack getrieben wurde. Nach dem 1. Weltkrieg kam dieser Bärentreiber dann plötzlich nicht mehr, man wußte nicht was mit ihm geschehen war. Die Markt Erlbacher Cones wollten dieses lustige Treiben allerdings aufrechterhalten und einer schlüpfte in ein Bärenfell, zog sich einen Bärenkopf über und tanzte so auf dem Marktplatz. Damit auch etwas Geld in die Kasse kam, nahm der Treiber ein Ofenrohr und hielt es an die Fenster, zu den Leuten, die herausschauten. Die Zuschauer warfen dann, je nach Geldbeutel, etwas hinein. Dieser Brauch verlor sich aber dann so nach und nach wieder und geblieben ist das Bärentreiben in seiner heutigen Form. Es gibt noch zwei weitere, nicht so wahrscheinliche Varianten, wie das Bärentreiben entstanden sein könnte. 1. Wie andernorts der Winter ausgetrieben wird, so kann es in Markt Erlbach die Untugend, der Frevel oder sonst eine menschliche Unvollkommenheit gewesen sein, die mit diesem Brauch bildlich verscheucht werden sollte. 2. Das es um Markt Erlbach früher wirklich Bären gegeben hat, die von Treibern gejagt worden sind. Es kann sein, daß diese Zeremonie an der Kirchweih nachgestellt wurde. Nach dem Bärentreiben ziert manchem am Straßenrand eine schwarze Spur im Gesicht und kündet davon, das der Bär und sein Meister handangelegt haebn. Viele lassen dieses lustige Treiben über sich ergehen, denn dem Bären und seinem Meister sind bisher noch wenige „ausgekommen “. Aber nicht alle nehmen den schwarzen Fleck im Gesicht auf die leichte Schulter. Es kam auch schon einmal vor, das der Bär einen Polizisten eingerußt hat. Daraufhin war die Polizei so beleidigt. das sie, im darauffolgenden Jahr den Straßenverkehr nicht mehr regeln wollte. Probleme hat es auch schon gegeben, wenn der Bär oder der Treiber nicht nur das Gesicht, sondern auch die Kleidung eingerußt haben. Seitdem sind der Bär und der Treiber angehalten, die Kleidung der Schaulustigen zu verschonen, was sich natürlich nicht immer verwirklichen läßt. Vor allem für Kinder ist das Bärentreiben der Höhepunkt der Kirchweih. Jedes Kind ist stolz auf den Ruß in seinem Gesicht und erzählt den Eltern, wo und wie es der Bär oder Treiber erwischt hat. Im allgemeinen ist das Bärentreiben eine „Gaudi“ für Jung und Alt und fast jeder verzeiht den schwarzen Männern, wenn sie sie „versehentlich “ etwas beschmutzt haben. Eines ist sicher: Ohne das Bärentreiben des JCEW wäre die Gemeinde Markt Erlbach um eine Attraktion ärmer.

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